Landstrom-
terminals.

 
Die Luftqualität im Kieler Hafen ist sehr gut. Aber natürlich wollen wir als PORT OF KIEL proaktiv Lösungen entwickeln und damit unseren Teil zur Luftreinhaltung in unserer Stadt beitragen. Das schreiben wir uns in unserem BLUE PORT-Konzept auf die Flagge und so planen und handeln wir auch - und das nicht erst seit heute. Landstrom ist für die die Kieler Innenstadt anlaufenden Fähr- und Kreuzfahrtschiffe ein sinnvoller Weg, um Luftschadstoff- und Lärmemissionen während der Liegezeit zu vermeiden.

Durch Landstrom können im Kieler Hafen künftig 60 Prozent des Energiebedarfs Kiel anlaufender Schiffe während der Hafenliegezeiten mit Ökostrom versorgt werden.

Graphik: PORT OF KIEL

Landstromanlage Ostseekai

Graphik: PORT OF KIEL

Landstromanschluss Schwedenkai

Graphik: BSP Architekten BDA

16 Megavoltampere-Landstromanlage Ostseekai

Graphik: PORT OF KIEL

Landstromanschluss Norwegenkai


Full power high voltage.

Wir setzen Maßstäbe.
Landstrom? Den bieten doch jetzt alle Häfen, oder? Den Eindruck kann man jedenfalls bekommen, wenn man die Diskussionen über dieses Thema verfolgt. Stecker rein, Motoren aus. Hört sich leicht an. Tatsächlich sind es jedoch europaweit erst wenige Häfen, wie zum Beispiel Oslo, Kristiansand, Göteborg und Stockholm in Skandinavien, die regelmäßig große Fährschiffe mit Landstrom versorgen. Für  Kreuzfahrtschiffe gab es Landstrom bislang nur in Hamburg und Kristiansand.

Warum ist das so?
Die Schiffe internationaler Reedereien sind mit unterschiedlichsten Standards ausgerüstet. Sie haben variierende Anforderungen mit Strombedarfen von 3-16 Megawatt (MW). Diese hohen Bedarfsmengen muss man allerdings erst einmal decken können, denn deren Volumen ist mit dem Verbrauch kleiner Städte vergleichbar. Dazu kommen die zwischen bord- und landseitigem Netz abweichende  Spannungen (6,6/11 Kilovolt) und Frequenzen (50/60 Hertz).

Diagramm: PORT OF KIEL basierend auf Siemens

 
Das heißt im Klartext: Hohes Investment für Transformatoren und Frequenzumrichter. Außerdem zu bedenken ist die verfügbare Leistung des Netzbetreibers, besonders im Hinblick auf Lastspitzen und Kurzschlussstromanforderungen der Schiffe. Nur Stecker rein und einschalten ist also nicht.

 
Ökostrom in Kiel

Kiels erste Landstromanlage ist seit Mai 2019 am Norwegenkai in Betrieb und versorgt dort die Fähren der Reederei Color Line. Die zweite Anlage, mit Anschluss an Ostseekai und Schwedenkai, geht 2020 ans Netz. Eine Anlage, die den verschiedensten Ansprüchen unterschiedlicher international verkehrender Kreuzfahrt- und Fährreedereien gerecht werden muss. Eine spezielle Lösung mit einem Umspannwerk und entsprechenden Kabelmanagementsystem musste her, die wir jetzt gemeinsam mit ABB, Siemens und Stemmann-Technik bauen: Ein Kreuzfahrtterminal mit eigener, nach ISO-Norm gebauter, 16-Megavoltampere-Landstromanlage, diese Dimension ist bislang einzigartig in Deutschland. Zum Betrieb unserer Landstromanlage kaufen wir selbstverständlich zu 100 Prozent Ökostrom ein.

Foto: PORT OF KIEL

EEG-Umlage

An Land erzeugter Strom steht in Konkurrenz zum an Bord erzeugter Energie. Neben niedrigen Bunkerpreisen stellt die EEG-Umlage einen erheblichen Kostentreiber für Landstrom dar, die in den gern zitierten Referenzhäfen Skandinaviens nicht erhoben wird. Bei den großen Passagierfähren, die Kiel anlaufen, entstehen pro Jahr Landstrombedarfe von etwa 4 GWh. Das bedeutet allein durch die EEG-Umlage Mehrkosten von rund 275.000 Euro jährlich. Hinzu kommt, dass der an Bord erzeugte Strom aufgrund der derzeitigen Bunkerpreise günstiger ist als der an Land erzeugte, was einen weiteren Kostennachteil in hoher fünfstelliger Größenordnung bedeutet.

Um den Betrieb auch ökonomisch zu rechtfertigen und als wirksames Instrument für eine höhere Marktdurchdringung der Landstromnutzung, wäre die Befreiung der EEG-Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf den für die Hafenliegezeit einzukaufenden Strom zwingend notwendig. Trotz zahlreicher Apelle und Initiativen ist die Politik diesen aber bislang nicht gefolgt. Hier ist eindeutig der Gesetzgeber gefordert, dem umweltpolitisch sehr zu unterstützenden Wunsch nach Landstrom Taten folgen zu lassen und diesen nicht durch zusätzliche Kosten zu belasten, denen die konventionelle Stromerzeugung an Bord nicht unterliegt.